|
Wenn ein Kind sich entschliesst, Gitarre
zu spielen, dann sind Pop- und Rockmusik
oft ausschlaggebend für die Sympathie
und die Wahl des Instrumentes. Der (die)
Schüler(in) identifiziert sich stark
mit den Gitarristen aus diesem
Musikbereich. Wenn jemand mit die-sen
Vorstellungen das Gitarrenspiel lernen
möchte, ist es fraglich, ob eine
klassische Ausbildung wirklich sinnvoll
ist. Oft stellt sich heraus, dass dieser
Weg schon nach kurzer Zeit zu Unlust
führt, zumal weder Kompo-nisten noch
Interpreten der klassischen Gitarrenmusik
bekannt sind, und auch die Bereitschaft
nicht vorhanden ist, diese kennen zu
lernen. Die oft verbreitete Meinung, dass
ein klassisch ausgebildeter Gitarrist auch
ein guter E-Gitarrist sei, ist falsch.
Spielweise, Ausdruck und Technik
unterscheiden sich derart stark, dass man
von zwei verschiedenen Instrumenten
sprechen muss. Die Erfahrung zeigt, dass
ein fauler" und desinteressierter
Schüler der klassischen Musik ein
sehr fleissiger Schüler werden kann,
wenn er "seine" Musik spielen darf.
Die hierzulande verbreitete
Trennung zwischen E-Musik (ernste Musik)
als gute-" und U-Musik
(unterhaltende Musik) als schlechte"
Musik ist nicht mehr gerechtfertigt. In
der U-Musik haben Komponisten und
Interpreten (The Beatles, Frank Zappa,
Kansas, B.B. King, Dixie Dregs und viele
andere) längst gezeigt, dass
Virtuosität und Einfallsreichtum
dieser Musik der E-Musik (ernsten Musik)
in keiner Weise nachstehen. Dies haben
moderne Gitarrenschulen durchaus erkannt
und enthalten oft kleine Stücke aus
dem Bereich Pop, Blues und Rock'n
Roll.
Diese Diskrepanz und das grosse Interesse
rechtfertigen meiner Meinung nach den
Unterricht der E-Gitarre als
ernstzunehmende Ausbildung. Die klassische
Vorbildung kann im E-Gitarrenunterricht
hilfreich sein, darf aber sicher nicht als
notwendige Voraussetzung betrachtet
werden.
Das Idealalter des
E-Gitarren-Anfängers liegt bei 12 bis
15 Jahren. Der Grund für den im
Vergleich zu andern Instrumenten
späten Einstieg liegt bei dem
Unterrichtsprogramm:
- Der Schüler spielt und erlernt
Improvisationen von Anfang an auf dem
ganzen Griffbrett (in allen
Lagen).
- Deshalb muss sich der Schüler
in allen Tonleitern und in der
Harmonielehre auskennen. Die Theorie
muss zusammen mit dem Instrument
erlernt werden!
- Gespielt wird nach Noten und
Tabulator oder nach
Musikaufnahmen.
Das Ziel der Ausbildung ist die
Entwicklung zu selbständigen
Mitmusikern, die in Bands zusammenspielen
könnnen. Der E-Gitarrist soll Songs
interpretieren können, aber auch
eigene Stücke schreiben lernen. Wer
sich für die E-Gitarre entscheidet,
sollte mit einem erfahrenen E-Gitarristen
zusammen seine Ausrüstung kaufen.
|